Bei einem Messer handelt es sich eigentlich um ein Paradoxon. Auf der einen Seite eine tödliche und effektive Waffe – auf der anderen Seite eine Waffe, die trotz ihrer Gefährlichkeit über keine nennenswerte Stoppwirkung verfügt, zumindest über keine physikalische.
Die Stoppwirkung ist abhängig von der Bewegungsenergie, die von einem Gegenstand, der auf einen Körper trifft, abgegeben wird. Definiert wird die Bewegungsenergie durch die Masse (Menge) des Gegenstandes und die Geschwindigkeit, mit der er auf den Körper auftrifft. Die Spitze einer Messerklinge weist sehr wenig Masse auf und die Geschwindigkeit eines Stiches ist, aus wundballistischer Sicht, eher gering.
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Lediglich ein Eindringen bis zum Heft und die Abgabe der Angriffswucht der ausführenden Hand erzeugt eine gewisse spürbare Energieabgabe, die aber in der Regel keine stoppende Wirkung erzielt, solange das Messer nur in Weichgewebe eindringt. Dazu müsste dann ein Knochen getroffen werden, der das Messer aufhält und somit eine größere Energieabgabe auf den Körper ermöglicht. Hierbei entsteht dann aber wieder eine Abhängigkeit der erzielten Energieübertragung von der Geschwindigkeit und der Masse, dem Gewicht des Messerführenden und des Angreifers. Da ist keinerlei Unterschied zu waffenlosen Kämpfen - ein Fliegengewicht kann kein Schwergewicht aufhalten – es kann nur ausweichen.
Auch Treffer in die großen Gefäße und Organe müssen keine unmittelbare Handlungsunfähigkeit des Angreifers zur Folge haben. Am wirkungsvollsten wären hier noch multiple Treffer der großen Gefäße und Organe in schneller Folge, um so ein möglichst schnelles Verbluten und eine damit verbundene Handlungsunfähigkeit zu erreichen. Auf der einen Seite ist dies aus technischer Sicht jedoch nicht einfach, auf der anderen Seite kommt es so u.U. sehr schnell zu einer strafbaren Handlung – der Notwehrüberschreitung.
Unter diesem Aspekt der Stoppwirkung betrachtet, handelt es sich bei einem Messer um eine sehr effektive Angriffswaffe, die als Verteidigungswaffe einer nicht unerheblichen Einschränkung unterliegt. Es verursacht keine sofortige Angriffsbeendigung, einem toten Opfer nutzt es wenig, wenn der Angreifer eine Stunde später ebenfalls seinen Verletzungen erliegt.
Auch bietet dicke oder widerstandsfähige Kleidung (z.B. Lederjacken) einen gewissen Schutz und kann die Wirksamkeit von Stichen und Schnitten einschränken.
Wie bei allen Waffen erreicht man mit einem Messer die größte Effektivität bei gleichzeitiger Rechtssicherheit, wenn man es erfolgreich als Drohmittel einsetzen kann. Die Drohung mit der Waffe ist immer die erste Anwendungsmöglichkeit einer Waffe und wird in den meisten Fällen dazu führen, dass ein Angreifer, aufgrund der damit verbundenen Risikosteigerung für sich selbst, von seinem Vorhaben ablässt oder zumindest zögert. Und dieses Zögern wiederum kann eine Möglichkeit zur Flucht eröffnen.
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