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Erste Hilfe und Selbsthilfe bei Messerwunden

Grundsätzliches


Nach einer Auseinandersetzung, in der ein Messer oder ein vergleichbarer Gegenstand genutzt wurde, ist immer unverzüglich der Rettungsdienst/Notarzt (zusätzlich zur Polizei) hinzuziehen! Viele Verletzungen (v.a. Stichverletzungen) sind hinsichtlich ihrer Schwere nicht zu beurteilen!! Dies bedeutet, den Rettungsdienst zum Ort der Auseinandersetzung rufen und nicht schnell mal selbst zur nächsten Klinik zu fahren!

Meine "Lieblingsseite" im Internet rät hier u.a. nach einer Auseinandersetzung unauffällig zu verschwinden und den nächsten Arzt aus eigener Kraft aufzusuchen - das ist lebensgefährlicher Schwachsinn, den man auf keinen Fall in Betracht ziehen sollte, wenn man sein Leben nicht im nächsten Hauseingang beenden möchte.

Jede Bewegung wird eine innere oder äußere Blutung verstärken und kann so zum vorzeitigen und unter Umständen vermeidbaren Tod führen.

Fremdkörper (Messer, Schraubenzieher….) die sich noch im Körper befinden dürfen auf KEINEN Fall entfernt werden. Opfer und Fremdkörper sollten bis zum Eintreffen qualifizierter Hilfe möglichst nicht bewegt werden.

Stichwunden


Problematisch bei Stichverletzungen ist zum einen, dass sie häufig übersehen werden (Stichwunden können nur sehr wenig bluten) und zum anderen, dass sie trotz „relativ kleiner Wunden“ lebensgefährliche Verletzungen innerer Organe zur Folge haben können.

Hinsichtlich der Ersten Hilfe bedeutet dies:

Nach Auseinandersetzungen, in denen ein Messer benutzt wurde, ist AKTIV nach eigenen und besonders nach Stichverletzungen zu suchen! Diese Nachsuche sollte nicht nur oberflächlich durchgeführt werden, sie muss sich auf alle Regionen des Körpers erstrecken, wie zum Beispiel auch die Achselhöhlen oder Oberschenkelinnenseiten. Für die Kontrolle des Rückens sollten Außenstehende hinzugezogen werden.Der „Normalfall“ ist, dass das Opfer während und nach der Auseinandersetzung (durch Adrenalinwirkung) nicht merkt, dass es eine (Stich-)wunde erlitten hat!

Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte das Opfer ruhig gelagert und die Wunde nach Möglichkeit hochgelagert werden. Oberste Priorität hat die Blutstillung bzw. die Verhinderung von Sekundärschäden. Bei schweren Verletzungen des Brustraums bzw. des Rumpfes ist auf das Hochlagern der Beine zu verzichten.


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Schnitt- und Hiebverletzungen


Diese Arten der Verletzung werden eher wahrgenommen, da sie typischerweise stark bluten. Hiebverletzungen können aufgrund der stärkeren Krafteinwirkung zu Amputationen oder zumindest Teilamputationen von Gliedmaßen führen.

Starke Blutungen werden durch einen Druckverband zum Stehen gebracht. Dabei ist darauf zu achten, dass nach Möglichkeit die betroffene Körperregion höher als das Herz gelagert wird.

Für einen Druckverband wird ein möglichst steriles oder zumindest sauberes und fuselfreies Tuch auf die Wunde gelegt. Darüber wird ein nicht saugfähiger Gegenstand ohne harte Ecken und Kanten als Druckpolster gelegt, der dann mit Verbandsmull oder geeignetem Material nicht zu fest fixiert wird. Hierzu eignet sich am besten ein ungeöffnetes Verbandspäckchen in der Zellophanhülle oder zum Beispiel auch eine ungeöffnete Soft Box Zigarettenpackung in der Zellophanhülle.

Bei Druckverbänden an den Extremitäten ist darauf zu achten, dass die Durchblutung der betroffenen Extremitäten nicht unterbrochen wird.

Anzumerken ist hier, dass bei starken Blutungen die Keimfreiheit/Sterilität bei der Wundversorgung nur eine untergeordnete Rolle spielt – wichtiger ist immer, die Blutung so schnell wie möglich zu stoppen.

Es kann vorkommen, dass der Druckverband durchblutet, in diesem Fall ist er nicht zu lösen, sondern ein zweiter Druckverband wird über den ersten gelegt.

Verletzungen an Kopf und Rumpf werden ebenso versorgt, allerdings kann sich das Anlegen eines Druckverbandes hier etwas schwieriger gestalten. Sollte ein Verbinden nicht möglich sein, so ist die Wunde manuell zu komprimieren, d.h. die Wunde wird unter leichtem Druck mit den Händen zusammengedrückt/geschlossen.

Bei stark blutenden/spritzenden Arterienverletzungen (erkennbar u.a. an hellem Blut) kann es erforderlich sein, zum Anlegen des Druckverbandes vorher die betreffende Arterie abzudrücken. Am Oberarm verläuft die Arterie zwischen dem Bizeps- und dem Trizepsmuskel.

Sollte sich eine Blutung mittels Druckverband nicht stoppen lassen oder liegen an einer Extremität multiple schwere Verletzungen vor, so kann in seltenen Fällen ein Abbinden notwendig werden. In aller Regel lassen sich Blutungen durch einen Druckverband stillen, auch bei Amputationen auf dem Stumpf oder bei Teilamputationen.

Die Abbindung muss mit einer breiten und nicht einschneidenden Auflage erfolgen, auf der Abbindung oder der betreffenden Extremität ist für die Rettungskräfte die Uhrzeit des Anlegens zu vermerken. Eine Abbindung oder ein Druckverband darf erst vom Arzt oder den Rettungskräften wieder gelöst werden.

Stich- oder Schnittwunden im Halsbereich werden nicht mit einem Druckverband versorgt, sondern einseitig mit den Händen oder Fingern abgedrückt. Dadurch wird eine Behinderung der Atemwege verhindert und der Blutfluss zum Gehirn gewährleistet. Vor dem Abdrücken einer Verletzung mit den Fingern ist, falls vorhanden, eine keimfreie Wundauflage über die Wunde zu legen.

Eine Stichwunde im Schulterbereich kann die Verletzung der Schulterarterie zur Folge haben. Die Schulterarterie zweigt von der Hauptschlagader ab und verläuft in der Nähe des Schlüsselbeins entlang zur Achselhöhle. Eine Blutung in diesem Bereich ist schwer durch einen Druckverband zu unterbinden, das Abdrücken der Arterie muss in diesem Fall manuell am Hals erfolgen.
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Anlegen eines Druckverbands

Abdecken der Wunde, nach Möglichkeit mit keimfreier Wundauflage  Komprimierungsmittel auflegen  Durch Druck mittels Verband komprimieren  ausreichend bis zum Eintreffen der Rettungskräfte 

Augenverletzungen


Im Prinzip gelten hier die gleichen Regeln wie oben dargelegt. Entscheidend sind auch hier das rasche Informieren des Rettungsdienstes und das Belassen eines eventuellen Fremdkörpers im Auge (trotz „erschreckendem“ Aussehen und Versuchen des Opfers, den Fremdkörper zu ziehen). Das Opfer muss daran gehindert werden, den Fremdkörper zu entfernen.

Nach Möglichkeit sollte das unverletzte Auge ebenfalls abgedeckt werden, da (unwillkürliche) Augenbewegungen des gesunden Auges die Verletzung am anderen Auge verstärken können.
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Abschließend


Viele Menschen sind in Notsituationen überfordert, dies ist immer wieder bei Unfällen festzustellen. Da rennen dann eine Menge „Ersthelfer“ unkoordiniert herum, streiten sich darum, wer die Unfallstelle absichern soll, wenn überhaupt daran gedacht wird, oder rufen alle gleichzeitig per Handy die Rettungsdienste. Andere beginnen damit, Trümmerteile aufzusammeln und sie fein säuberlich am Straßenrand aufzuhäufen. Nur die wenigsten trauen sich wirklich an die Unfallopfer heran und übernehmen dann die eigentliche Erstversorgung der Verletzungen.

Ausschlaggebend sind Ängste, bei der Erstversorgung etwas falsch zu machen oder die Befürchtung traumatisierender Eindrücke, die sie erleben könnten. In erster Linie ist es schlichtweg Hilflosigkeit, die dem eigentlichen Wunsch zu helfen, entgegensteht. Unter Anleitung werden diese Leute aber Aufgaben, die ihnen explizit übertragen werden, ausführen. Dazu ist eine direkte Ansprache mit Hinweis auf die vorzunehmende Handlung nötig. (zum Beispiel das Abdrücken einer Arterie mit Benennung und Aufzeigen der betreffenden Stelle)

Es ist immer besser eine Erstversorgung fehlerhaft, als sie überhaupt nicht vorzunehmen. Tatenloses Herumstehen oder bloßes Beruhigen eines Opfers stoppt keine Blutungen. Auch ein unzureichender Druckverband kann genau die Menge Blut zurückhalten, die für das Überleben des Opfers ausschlaggebend ist.

Einem Ersthelfer kann sich ein schreckliches Bild bieten, dem Opfer bietet sich aber das gleiche Bild, nur mit dem Unterschied, dass es zusätzlich Todesängste aussteht und Schmerzen erleidet.